WAS IST FOCUSING?

 

 

"Focusing nenne ich die Zeit,

in der man mit etwas ist,

das man körperlich spürt,

ohne schon zu wissen was es ist."

 

(Gene Gendlin)

 

Selbsthilfe & Therapie aus dem Körper

Zu jeder Situation, zu jedem Thema, entsteht in unserem Körper ein Gefühl. Dieses Gefühl ist da, auch wenn wir vielleicht nicht darauf achten. Im Focusing nenne wir dieses Gefühl "Felt Sense". Schnell sind wir damit beschäftigt, die Situation rational einzuordnen. Das rationale Denken ist wichtig, kann aber nie alle Aspekte eines Themas gleichzeitig erfassen. Der Felt Sense entsteht spontan und beinhaltet die Gesamtsituation. Oft ist er zunächst wage und unklar, es fehlen die Worte. Den Prozess, dieses Felt Sense zu erforschen nennen wir Focusing.

 

 

Übung

 

Wenn Sie möchten, können Sie sich jetzt einen Moment Zeit nehmen, um eine Ahnung davon bekommen, was ein Felt Sense sein könnte: Lehnen Sie sich dafür zurück, schließen Sie, wenn Sie möchten, die Augen und denken Sie an Ihr letztes Treffen  mit einem guten Freund, oder einer Freundin. Richten Sie dabei die Aufmerksamkeit auf Ihre Bauch- oder Brustgegend und nehmen sie wahr, wie sich die Erinnerung an diese Begegnung im Körper anfühlt. Warten Sie ca. eine Minute ab. Vermutlich nehmen Sie eine Art Behaglichkeit, oder auch ein Unbehagen wahr. Vielleicht auch innere Bewegung, Wärme, Ausdehnung oder Ähnliches. In diesem Bereich ist der Felt Sense zu finden.

 

 

 

Entstehung des Focusing

Eugene Gendlin, österreichischer Philosoph, Psychotherapeut und Mitarbeiter von Carl Rogers, machte bei einer Studie an der Universität Chicago eine interessante Beobachtung: Patienten, die das was sie sagten, auch mit der damit verbundenen Körperempfindung abglichen, machten in der Therapie bessere Fortschritte als diejenigen, die nur rational über ihr Problem sprachen. Die Patienten gerieten dabei immerwieder verbal ins Stocken, hielten inne und korrigierten das Gesagte solange, bis es das Gefühlte stimmig ausdrückte.

Allein dieser stimmige Ausdruck verschaffte spürbare Erleichterung. Zudem konnte unter Einbeziehung des Körpers gezielter an dem gearbeitet werden, um was es im Kern ging, was zu spürbaren Veränderungen führte.

 

Dieser körperlich wahrgenommenen, zunächst unklaren Empfindung, die einen Sinn oder eine Bedeutung in sich trägt, gab Gendlin den Namen „Felt Sense“ (gefühlter Sinn / gefühlte Bedeutung). Die Arbeit am Felt Sense nannte er  „Focusing“ und gliederte sie in sechs Schritte um sie lehr- und lernbar zu machen.

 

 

"ES GIBT EIN KÖRPERLICHES WISSEN - OHNE WORTE"

(Gene Gendlin)

 

 

Focusing findet Anwendung in unterschiedlichen Bereichen:


- zur Selbsthilfe bei persönlichen Problemen
- als Methode in Beratung, Coaching und Psychotherapie

- Selbstfürsorge bei Belastung (Burnout-Prävention - oder Nachsorge)
- als Achtsamkeitsübung
- bei beruflichen Fragen (z.B. zur Entscheidungsfindung)
- in der spirituellen Praxis (Meditation, Seelsorge)
- als Quelle der Kreativität